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Klimawandel Neuer Rekord beim CO2-Ausstoß

Die CO2-Emissionen steigen 2018 stark an und erreichen voraussichtlich einen neuen Rekordwert.

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde
So wird das nichts: Hinter einem idyllischen Karpfenteich steigt Wasserdampf aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz. Foto: dpa

Die Hoffnung auf eine schnelle Trendwende bei den Treibhausgas-Emissionen ist zerstört: Der globale CO2-Ausstoß steigt auch 2018 deutlich an und erreicht voraussichtlich einen neuen Rekordwert. Das zeigt eine Studie des internationalen Forschungsverbundes „Global Carbon Project“, die am Mittwoch unter anderem im Fachmagazin „Nature“ erschienen ist. Das Plus beträgt rund 2,7 Prozent. Im Jahr 2017 waren die Emissionen um 1,6 Prozent angestiegen, nachdem sie zuvor drei Jahre fast auf dem selben Niveau geblieben waren. Damals hatten Klimaexperten gehofft, dass der „Peak“ erreicht sei.

Der Coautor der Studie, Glen Peters vom Zentrum für Internationale Klima- und Umweltforschung (CICERO) in Oslo kommentierte: „Der Anstieg im letzten Jahr konnte noch als einmalig gesehen werden, aber in diesem Jahr ist das Wachstum noch höher.“ Damit sei klar, dass die Welt es nicht schaffe, einen Kurs einzuschlagen, der mit dem Pariser Klimavertrag vereinbar ist. Darin ist das Ziel fixiert, die Erwärmung zwischen 1,5 und zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu stoppen. Bisher liegt die Temperatur bereits um gut ein Grad höher. Die CO2-Konzentration liegt inzwischen mehr als 45 Prozent höher als in vorindustrieller Zeit. In ihrer Studie stützen sich die Wissenschaftler auf vorläufige Daten aus Energiestatistiken für 2018. Daran mitgearbeitet haben über 70 Experten aus 15 Ländern.

Besonders bedenklich: Der Anstieg 2018 liegt fast wieder auf dem Niveau, das in den 2000er Jahren üblich war. Damals gingen die Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffe und aus der Industrie pro Jahr im Schnitt um über drei Prozent nach oben. Danach hatte sich das Wachstum abgeschwächt und stagnierte 2014 bis 2016 sogar. Ursache für die Wende nach oben ist laut den Experten vor allem, dass weiterhin viel Kohle, Erdöl und Erdgas verwendet wird. Verantwortlich für den Anstieg der Emissionen seien denn auch alle Länder – entweder durch steigende Emissionen oder dadurch, dass sie ihre Emissionen nicht genug reduziert hätten.

Kräftig eingeheizt hat 2018 China, das Land, das weltweit mit 27 Prozent Anteil ohnehin mit Abstand am meisten Treibhausgase produziert. Die Emissionen stiegen hier um 4,7 Prozent – vor allem wegen des wieder höheren Wirtschaftswachstums und einer hohen Bautätigkeit. „Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass es für China nicht so einfach ist, sich schnell von der Kohle zu verabschieden“, sagt Jan Ivar Korsbakken von CICERO. Die Kohle werde Chinas Energiesystem noch auf Jahre dominieren. Ein noch stärkeres Wachstum hat allerdings Indien zu verzeichnen. Dort stiegen die Emissionen um sechs Prozent. Auch in den USA, mit 14 Prozent Nummer zwei beim CO2-Ausstoß weltweit, stiegen die Emissionen 2018 an - um 2.5 Prozent. In der EU, für ein Zehntel verantwortlich, indes sanken sie leicht um 0,7 Prozent.

„Der Anstieg im Jahr 2018 bringt uns auf einen Erwärmungspfad, der derzeit auf weit über 1,5 Grad führt“, sagt die Hauptautorin der Studie, Corinne Le Quéré, Direktorin des Tyndall Centers für Klimaforschung an der britischen East Anglia-Universität. „Es ist nicht genug, die Erneuerbaren zu fördern, Anstrengungen zur Dekarbonisierung müssen sich durch alle Wirtschaftsbereiche ziehen.“ Der Studie zufolge wächst vor allem der Energiebedarf für Autos und Lkw, Luftfahrt und Schiffsverkehr zu schnell, als dass der Umstieg auf Öko-Energien das ausgleichen könnte.

Hoffnung, es könne doch noch zu einer positiven Trendwende bei den Emissionen kommen, äußerte die ehemalige Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres. Die erneuerbaren Energien würden immer billiger, immer mehr Städte und Unternehmen engagierten sich für den Klimaschutz und einige Länder hätten auch schon signalisiert, dass sie ihre Beiträge zum Pariser Klimaabkommen anheben wollten. „Die Aufgabe für die Minister und Regierungen, die sich gerade in Katowice zur Klimakonferenz treffen, ist es, dieses Momentum der zu beschleunigen und jeden an Bord zu behalten“, so Figueres. 

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