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Weltwährung Kampfansage an den Dollar

Ob Öl, Gas, Autos oder Flugzeuge – die globale Wirtschaft rechnet in Dollar ab. Das möchte die EU-Kommission ändern.

Dollar und Euro
Wer wird in zehn oder zwanzig Jahren wohl wichtiger für die Weltwirtschaft sein – der Dollar oder der Euro? Foto: imago

Der Euro soll in den kommenden Jahren den Weltmarkt erobern. Diesen Plan hat die Europäische Kommission am Mittwoch in Brüssel vorgestellt. „Unser Euro ist eine junge, aber auch erfolgreiche Währung“, sagte der zuständige Vizepräsident der EU-Behörde, Valdis Dombrowskis. „Es ist an der Zeit, dass der Euro nun auch weltweit mehr an Bedeutung gewinnt.“ Bereits Ende nächster Woche sollen die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel den Vorstoß diskutieren. Mit Widerstand sei nicht zu rechnen, hieß es gestern.

Die immer aggressiveren Strafmaßnahmen der Vereinigten Staaten seien „ein Weckruf für Europas wirtschaftliche und finanzielle Souveränität“. Als eklatantes Beispiel wurden am Mittwoch die Sanktionen gegen den Iran genannt. Nachdem Washington den Atomdeal aufgekündigt hatte, drohte die US-Regierung den Unternehmen anderer Staaten, die ihre Geschäfte mit Teheran fortsetzen würden, Sanktionen auf dem US-Markt an. Die USA nutzen den Dollar längst nicht mehr nur als Zahlungsmittel, sondern als Machtinstrument.

Dagegen setzt Brüssel nun den Euro, konkreter die Abrechnung des Handels in Euro. In einem ersten Schritt sollen Energielieferungen, Rohstoffe und Flugzeuge schrittweise auf Euro-Preise umgestellt werden. „Mit Energieimporten von durchschnittlich 300 Milliarden Euro im Jahr ist die EU der weltweit größte Energieimporteur mit einem offenen und wettbewerbsfähigen Binnenmarkt“, sagte der für diese Themen verantwortliche EU-Kommissar Miguel Arias Cañete. Dieses Gewicht könne Europa nutzen, um die Lieferungen künftig in der eigenen Währung abzurechnen.

Internationalen Zahlungsdienstleistern wie Visacard, Mastercard oder Paypal, die ihre Transaktionen auf Dollar-Basis vornehmen, will Brüssel eigene Konkurrenten entgegensetzen, die in Euro denken. Erste Gespräche hat die Kommission beispielsweise mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus angekündigt, der seine Maschinen weltweit verkauft, die Geschäfte aber immer noch in Dollar abwickelt. Auch die Autobauer sollen vorgeladen werden.

Das Vorhaben gilt als ambitioniert. Zwar liegt der Euro bei den global getätigten Transaktionen mit einem Anteil von 36 Prozent hinter dem Dollar (40 Prozent). Aber der Abstand scheint aufholbar. Anders sieht es bei der Rolle des europäischen Geldes bei den Währungsreserven aus. Dort ist der Euro mit lediglich 20 Prozent vertreten – gegenüber 62 Prozent in Dollar.

Der Reiz einer Aufholjagd hat keineswegs nur Imagegründe. Für die Kommission geht es um handfeste Vorteile. So könne sich Washington beispielsweise problemlos in Dollar verschulden, ohne zusätzliche Risiken durch Wechselkursschwankungen einzugehen. „Eine breitere Nutzung des Euro in der Weltwirtschaft birgt erhebliche Potenziale, wenn es darum geht, die europäischen Bürger und Unternehmen besser vor externen Schocks zu schützen und die Widerstandsfähigkeit des internationalen Währungs- und Finanzsystems zu erhöhen“, sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici.

Das klingt zwar gut, dennoch gab die Kommission auch zu, dass die Union noch weit von diesem Ziel entfernt sein könnte. Denn zunächst müssten die Wirtschafts- und Währungsunion grundlegend umgebaut, die Bankenunion fertiggestellt und die Kapitalmarkt-Gemeinschaft gefestigt werden. Von den dazu notwendigen rund 40 zentralen Vorschlägen der EU-Behörde seien gerade mal sieben verabschiedet worden.

„In der jetzigen Lage ist die Stärkung des Euro in der Welt nicht mehr als Wunschdenken“, sagte Sven Giegold, Finanzexperte der Grünen im Europa-Parlament. „Ein starker Euro ist ein richtiger, aber aufgrund des Reformstaus in der Eurozone gleichwohl ein realitätsferner Plan. Wer sich nicht auf interne Reformen einigen kann, wird es auch nicht mit dem Dollar aufnehmen können.“

Ein wichtiges Beispiel für ausstehende Entscheidungen: Mit den US-Schatzbriefen stehen weltweit als sicher geltende Dollar-Papiere zur Verfügung. In der Währungsunion gibt es keine vergleichbaren Euro-Bonds – sie werden bislang von wichtigen EU-Staaten wie Deutschland abgelehnt.

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