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Klimawandel Werben im Klimacamp

Wissenschaftler versuchen in Davos zu vermitteln, wie dringend eine Politik gegen den Klimawandel ist.

Klimaaktivistin in Davos
65 Stunden Fahrzeit: Klimaaktivistin Greta Thunberg reist mit dem Zug nach Davos. Foto: dpa

Die Eiskugel, die Jeremy Wilkinson ans Ohr hält, ist tausend Jahre alt. Sie stammt aus einer Tiefenbohrung am Südpol. Wenn sie schmilzt, hört man deutlich das Aufploppen der kleinen Luftblasen, die in der gefrorenen Kugel eingeschlossen waren. Wilkinson, Klimaforscher aus Cambridge, Großbritannien, und seine internationalen Kolleginnen und Kollegen, können die Luft aus den kleinen Bläschen analysieren und erfahren dadurch, wie sich die Zusammensetzung der Erdatmosphäre verändert. Jetzt sitzt er in einem Zelt beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, „Arctic Basecamp“ genannt.

Der Klimawandel ist eines der großen Themen beim diesjährigen WEF. Es gibt Dutzende Podiumsdiskussionen und Aufrufe dazu, wie sich der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid rechtzeitig reduzieren lässt.

Das Basecamp in Davos besteht aus einem großen weißen und mehreren kleinen Zelten. „So ähnlich sieht auch unser Lager aus, wenn wir auf Expedition an den Polen sind“, sagt Wilkinson, der grüne Mütze, Kapuzenpulli und dicke Stiefel gegen die Kälte trägt. Draußen steht ein Dreibein, an dem ein unscheinbarer, langer Plastikstreifen befestigt ist – ein hochentwickeltes Thermometer mit vielen Sensoren. Solche Streifen senken die Wissenschaftler in Bohrlöcher ab und erhalten damit Daten über tiefe Eis- und Wasserschichten. Und mittels der Luftanalyse auf der Basis von Eisbohrungen können sie inzwischen

800 000 Jahre zurückblicken. Die Korrelation sei eindeutig, so Wilkinson: „Das Kohlendioxid in der Atmosphäre nimmt zu, das Poleis schmilzt wegen der Erwärmung ab.“ Diese Botschaft hält der Klimaforscher für die versammelten Manager und Politiker bereit.

WEF-Chef Klaus Schwab und seine Leute haben einiges in Bewegung gesetzt, damit das Thema beim Forum präsent ist. Viel Prominenz ist am Start, darunter der britische Prinz William, Tierfilmer David Attenborough und US-Politgröße Al Gore.

Während des Kongresses veröffentlichte das World Ressources Institut (WRI) einen Bericht, wonach zusätzliche Anstrengungen nötig sind, um die weltweiten Kohlendioxidemissionen ab 2020 sinken zu lassen. Das halten das WRI und zahlreiche Wissenschaftler für geboten, damit sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als 1,5 Grad aufheizt. Das WEF unterstützt den Klimagipfel der Vereinten Nationen im kommenden September.

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan kritisierte das Forum trotzdem. „Es gibt jedes Jahr ein bestimmendes Thema in Davos. Und in diesem Jahr müsste Klima dieses Thema sein“, sagte sie. „Das ganze Konzept und der Ansatz hier sind unvereinbar mit der Realität der Klimakrise.“

Wenn sich das WEF zu Umweltsorgen äußere, bemängelte die Umweltschützerin, dann propagiere es als Lösung stets eine Verstärkung von öffentlich-privaten Partnerschaften. „Wir haben keine Zeit mehr für öffentlich-private Partnerschaften.“ Unter dem Strich forderte Morgan zu handeln, statt zu reden. Ausreichende Einschnitte in das auf fossiler Energie basierende Wirtschaftssystem verweigern viele Firmen und Regierungen jedoch, einschließlich der deutschen.

Um deutlich zu machen, dass durch eine nachlässige Klimapolitik die Zukunft der jungen Menschen in Gefahr gebracht wird, traf am Mittwoch auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg in Davos ein, die Schülerinnen und Schüler zu Schulstreiks wegen des Klimawandels aufruft. Sie kam mit dem Zug statt mit dem klimaschädlichen Flugzeug. Für die Fahrt in die Schweizer Berge benötigte sie rund 32 Stunden.

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