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Sei, der Du bist Wie frei ist die Freiheit?

Der Begriff der Freiheit ist hochgradig subjektiv und relativ.

25.02.2019 15:19

Der bekannte Werbespruch „Die Freiheit nehme ich mir“ klingt harmlos. Er lässt allerdings die Frage offen, was denn „Freiheit“ ist. Das Ausblenden der Konkretisierung von vermeintlich verständlichen Begriffen ist übrigens ein Merkmal des heute erstarkten Populismus. Freiheit zum Beispiel weckt Sehnsüchte in Menschen und diese diffuse Emotionalität ist neben einer verbretterten Ideologie die Grundlage solcher Politik.

Die Benutzung des Begriffs „Freiheit“ in unreflektierter Form ist eine emotionale Bananenschale, auf der man leicht ausrutscht und in die hilfreichen Arme des Autors, sei es ein Politiker oder der Rattenfänger von Hameln, fällt. Sie unterstellt einen Freiheitsbegriff, der sich bei genauer Betrachtung als hochgradig subjektiv und relativ erweist – je nach angewandter sozialer Intelligenz und Bildung. Dieses „Sei, der Du bist“, sei ein freies „Ich“, geht tosend lächelnd darüber hinweg.

Auffällig ist heute, dass die eigentlich emanzipatorische Idee individueller Autonomie pervertiert wird. Aus freiheitlicher Selbstbestimmung wird gern eine Ich-AG, eine verengte Vorstellung vom Selbst, die den Gesellschaftsbezug und Sorge um das Wohlergehen anderer negiert. Der gerade in dieser Zeit gültige Begriff der „Ellenbogengesellschaft“ bezeichnet dies treffend.

Ob das „Ich“ nun so frei ist wie man gemeinhin denkt, darüber könnte man nachdenken.

Das eigentliche Problem, das wir beispielsweise mit der sterbenden Umwelt haben, liegt darin, dass wir nicht frei sind. Nicht frei zum Beispiel von der verballerten Idee, Bequemlichkeit leben zu wollen auf Kosten der Natur. Und es liegt darin, dass wir sehr damit beschäftigt sind, unser Ego oder besser unseren Egoismus, diesen harten Knochen, in der Anmut des zarten Fleisches eines komplexen Lebens ja nicht anzutasten. Wir wissen darum, aber wir nehmen uns nicht die Freiheit, uns anders zu entscheiden.

Freiheit könnte die Freiheit zur Aufgabe von Vorstellungen sein, deren Urheberschaft und Eigentum sicher nicht den Protagonisten dieser Ideen zuzuschreiben ist. Goethe bemerkte hierzu: „Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“

Freiheit heißt nicht, etwas zu bekommen. Das Geschenk der Freiheit kann nur der erhalten, der sie bereits hat, die Freiheit von dem, was er glaubte und die Freiheit zu etwas, was dann möglich wäre.

Der Autor war mehr als 25 Jahre lang Berater und Coach im internationalen Management.

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