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Australian Open Licht ausgeknipst

Nach ihrem dramatischen Aus in Melbourne läuft Serena Williams weiter dem so herbeigesehnten Grand-Slam-Rekord hinterher.

23.01.2019 17:38
Serena Williams
Lag im entscheidenden Satz 5:1 vorne und vergab vier Matchbälle: Serena Williams. Foto: afp

Als alle mit dem Schlimmsten rechneten, verblüffte Serena Williams wieder einmal die Tenniswelt. Dramatisch war ihre Rekordjagd in Melbourne gescheitert, fast schon tragisch mutete ihr Viertelfinal-Aus bei den Australian Open an. Williams hätte ganz sicher ihr großes Pech beklagen können, sie hätte jammern dürfen, schimpfen oder beleidigt die Heimreise antreten können. Stattdessen bewies sie in einer ihrer schwersten Stunde wahre Größe.

Vier Matchbälle hatte Williams im Duell mit der Tschechin Karolina Pliskova nicht verwandelt, eine 5:1-Führung im dritten Satz aus der Hand gegeben, nachdem sie unglücklich umgeknickt war – und doch gab sie sich nicht dem Weltschmerz hin. Verantwortlich für den Ausgang des Matches sei nur ihre Gegnerin gewesen. „Beim Stand von 5:1 und 40:30 hat Karolina angefangen, alle Lampen auszuschießen“, sagte Williams: „Sie hat alle Linien getroffen.“

Es hatte den Anschein, als habe Williams aus der Kritik an ihrem unwürdigen Auftritt im und nach dem Finale der US Open im September 2018 gelernt. Damals hatte sie Schiedsrichter Carlos Ramos Sexismus vorgeworfen, geschrien, gezetert und ihrer jungen Gegnerin Naomi Osaka den bis dato größten Moment ihrer Karriere verdorben. Diesmal bewahrte Williams die Fassung, auch wenn sie dabei etwas übertrieb.

Sie glaube nicht, dass die Niederlage „etwas mit meinem Knöchel zu tun hatte“, sagte die US-Amerikanerin, dabei war sie zumindest für einige Ballwechsel nach dem Umknicken sichtlich gehandicapt. Nach dem unglücklichen Auftreten mit dem linken Fuß bei ihrem ersten Matchball servierte sie einen Doppelfehler und verlor ihren Aufschlag. Als der Schmerz und der Schock zumindest ein bisschen nachließen, blieb die Ungenauigkeit. Dennoch kam Williams zu weiteren Matchbällen, die Pliskova mit dem Mut der Verzweiflung abwehrte. Da schoss sie tatsächlich Williams‘ Lampen aus.

Seit die 37-Jährige aus dem Mutterschutz zurückgekehrt ist, dreht sich ihr Tennisleben nur noch um eine einzige Zahl: die 24. So viele Titel hat die Australierin Margaret Court bei den Grand Slams gewonnen, mindestens so viele braucht auch Williams, um endgültig als größte Spielerin in die Tennisgeschichte einzugehen. Ihren 23. und bislang letzten hatte sie vor zwei Jahren in Melbourne geholt, damals war sie bereits in der achten Woche schwanger.

Die Erfolge seitdem sind erstaunlich, in Wimbledon gegen die Deutsche Angelique Kerber und New York erreichte sie wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter Olympia jeweils das Finale. Doch zweite Plätze sind nun mal zu wenig in Williams‘ Kosmos. „Vom ersten Tag an habe ich von mir erwartet zu gewinnen“, sagte sie deutlich nach dem bitteren Ausscheiden gegen Pliskova. Dann fügte sie an: „Aber ich denke lieber, dass es früher oder später passiert, als nach Ausreden zu suchen.“

Die nächste Chance auf den Rekordsieg kommt schließlich schon im Frühjahr – bei den French Open auf dem für sie wenig geliebten Sand. Sie wisse, dass sie bis dahin mehr Begegnungen brauche und dass sie viele Dinge besser machen müsse, sagte Williams. Der Auftritt in einer bitteren Stunde gehörte diesmal nicht dazu. Der zeugte an diesem Tag von wahrer Größe - und ist manchmal sogar mehr wert als jeder Titel der Welt. (sid)

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