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FSV Mainz So schaffte Mainz 05 den Schwabenstreich

Die Rheinhessen zeigen dem VfB Stuttgart nicht nur beim lange souveränen 3:2, wie man aus weniger mehr macht.

VfB Stuttgart - FSV Mainz 05
Fliegend zum Ball: Der wiedergenesene Mainzer Torwart Florian Müller. Foto: Sebastian Gollnow (dpa)

Neugierig standen am Samstagabend auch ein paar Stuttgarter Reporter vor Rouven Schröder. Einer fragte den Sportvorstand des FSV Mainz 05 schließlich, ob die Mainzer nicht vielleicht die unterschätzteste Mannschaft der Liga seien. Das müsse man die Gegner fragen, antwortete Schröder zunächst ausweichend. Aber dann wollte er doch auch festhalten: „Wir haben die 24 Punkte nicht umsonst.“ So groß ist die Ausbeute der Mainzer nach dem 3:2 (2:0)-Sieg beim VfB Stuttgart. Zwischen Mainz 05 und dem finanziell ungleich stärkeren VfB auf Relegationsplatz 16 liegen nach dem Rückrundenauftakt nun zehn Punkte.

Aus Stuttgarter Sicht ist das niederschmetternd. Am Neckar macht man aus dem vielen Geld der Sponsoren nach der Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung aus dem Gesamtverein gerade sehr wenig, in Mainz hingegen aus weit geringeren Möglichkeiten deutlich mehr. Der schwäbische Fragesteller hatte sich ja aus Hochachtung für die Mainzer Leistung insgesamt und der am Samstag im Besonderen erkundet. Bis auf die dramatische Schlussphase hatte der Gast den VfB 80 Minuten lang mit einer erstaunlich reifen Leistung demoralisiert. Aber weil die gute Mainzer Entwicklung in den vergangenen Monaten überregional wenig Widerhall fand, geriet die Leistung des FSV in Stuttgart für viele einheimische Beobachter zur Überraschung. 

Nach 18 Spieltagen steht Mainz 05 stabil im Mittelfeld der Tabelle. Das ist nach einem nervenaufreibenden Abstiegskampf in der Saison 2017/18 in der zweiten Runde mit Cheftrainer Sandro Schwarz nicht selbstverständlich zu erwarten gewesen. Aber Schwarz hat die Mannschaft entwickelt, er kann mittlerweile zurecht feststellen: „Wenn wir das Gaspedal durchtreten, dann ist das sehr gut.“ Nach dem 3:0 von Alexander Hack (72.) schaltete seine Elf aber vom Vollgas- in den Verwaltungsmodus und hätte den vermeintlich sicheren Sieg am Ende fast noch hergeschenkt. Nach dem 1:3 von Nicolas Gonzales (83.) schien sich die Elf angstvoll an die jüngsten Erlebnisse in der Vorbereitung zu erinnern, als sie in zwei Testspielen gegen Freiburg und einem gegen Standard Lüttich drei Mal eine 2:0-Führung nicht über die Zeit retten konnte. In Stuttgart verhinderte nach dem 2:3 von Marc-Oliver (85.) kurz darauf nach einem Schuss von Anastasios Donis der Pfosten ein unheilvolles Déjà-vu. Dass die Mannschaft am Ende eben nicht doch wieder den Ausgleich kassiert hatte, wertete Trainer Schwarz als „Entwicklungsschritt“. 

Völlig zurecht darf sich Schwarz auch über das augenfällig immer bessere Zusammenspiel seiner beiden Stürmer freuen. Das 2:0 (28.) durch Jean-Philippe Mateta entstand aus einer Kombination mit Robin Quaison, bei der der Franzose und der Schwede die Stuttgarter Abwehr wie im Training ausspielten. Der VfB leidet schwer am Abstiegskampf, nach dem 0:1 (22.) durch einen von Santiago Ascacibar abgefälschten Schuss des Mainzers Jean-Paul Boetius verloren die Hausherren bis zur kuriosen Schlussphase Elan und Selbstvertrauen. Nach dem 0:3 wand sich das Publikum ab, es gab Pfiffe gegen Mannschaft und Vorstand, die Ultras in der Cannstatter Kurve skandierten in Richtung Klubboss Wolfgang Dietrich „Dietrich raus“. 

Mainz: Blick geht nach oben

Die Mainzer stürzten den VfB noch tiefer in die Krise, unter Chefcoach Markus Weinzierl setzte es im elften Spiel die achte Pleite. Auch Sportvorstand Michael Reschke steht in der Kritik, in den anderthalb Jahren in Verantwortung beim VfB ist Weinzierl nach Hannes Wolf und Tayfun Korkut schon sein dritter Trainer. Am nächsten Wochenende droht auswärts bei Rekordmeister Bayern München eine weitere Pleite, Innenverteidiger Timo Baumgartl nennt diese Begegnung vorbeugend lieber ein „Bonusspiel“. Die beiden Spiele danach – zu Hause gegen Freiburg und in Düsseldorf – aber bezeichnete er als „überlebenswichtig“. Gelingt in diesen Partien nicht der Befreiungsschlag könnte es tatsächlich richtig ungemütlich werden in Stuttgart und Grundsätzliches in Frage gestellt werden. Reschke versprach gleichwohl den Klassenerhalt mit dem Trainer Weinzierl.

In Mainz geht der Blick vorsichtig nach oben, im nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg könnten die Nullfünfer ihre Lage weiter verbessern. Sportvorstand Schröder sagt selbstbewusst: „Die Brust geht raus, wir freuen uns auf Nürnberg.“ Unterschätzt werden die Mainzer von diesem Gegner sicher nicht. 

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