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Darmstadt 98 „Von Sulu musste man niemanden befreien“

Darmstadts Trainer Dirk Schuster spricht im Interview über eine ärgerliche Vorrunde und einen tiefgreifenden Abgang.

Darmstadt 98 - SC Paderborn
Dirk Schuster war mit der Darmstädter Vorrunde nicht zufrieden. Foto: dpa

Noch bis zum 19. Januar bereitet sich der SV Darmstadt 98 an der Südostküste Spaniens auf die Zweitliga-Rückrunde vor, die für die Lilien zehn Tage später mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli beginnt (Dienstag, 29. Januar, 20.30 Uhr). Ein Telefongespräch mit Trainer Dirk Schuster über die Lage der Dinge beim SVD.

Herr Schuster, wie lässt es sich an in Spanien? Temperaturen um die 14 Grad und Sonnenschein klingen ja schon mal ganz gut.
Das Wetter ist optimal. Und wir haben auch sonst Bedingungen vorgefunden, im Hotel und auf dem Trainingsplatz, die ein sehr konzentriertes Arbeiten ermöglichen. 

Wie sieht dieses Arbeiten aus? Welche Schlüsse haben Sie aus der Vorrunde gezogen?
Zunächst einmal ist es so, dass wir jeden Tag dreimal trainieren, um uns akribisch auf die Rückrunde vorzubereiten. Unser Hauptproblem in der Hinrunde war, dass wir viele einfache Gegentor bekommen haben. Uns sind die Basics so ein bisschen abgegangen: Flanken verhindern, Schüsse blocken, die grundsätzliche Kompaktheit. Daran arbeiten wir, um eine bessere Rückrunde zu spielen.

19 Punkte aus 18 Spielen, Platz 13 – wie zufrieden waren Sie mit der Vorrunde?
Mit dem Start war ich ganz einverstanden. Mit der grundsätzlichen Punkteausbeute und mit der Flut an Gegentoren aber überhaupt nicht. Das Fazit fällt deshalb sehr durchwachsen aus.

Kurz vor der Abreise ins Trainingslager ist etwas Gravierendes passiert: Kapitän Aytac Sulu hat den Verein Richtung Türkei verlassen, der Anführer ist weg. Wie gehen Sie und die Mannschaft damit um?
Die Mannschaft hat das schon beschäftigt ein paar Tage lang, weil sie genau so überrascht war wie wir Trainer. Es musste eine Hoppla-Hopp-Entscheidung geben aufgrund der Begebenheiten des Transfers, alles ist innerhalb von zwei Tagen über die Bühne gegangen. Aufgrund der Verdienste von Aytac Sulu für den Verein, auf und neben dem Platz, sind wir aber zum Schluss gekommen, dass wir ihm diesen großen Wunsch nicht verbauen wollen. Das waren wir ihm schuldig. Er hat fast auf den Tag genau sechs Jahre lang alles gegeben für den Verein, hat auch seine Gesundheit nicht geschont in verschiedensten Situationen und war bis zum Schluss ein ganz wichtiger Bestandteil der Mannschaft und des gesamten Vereins.

Haben Sie versucht, Sulu umzustimmen?
Wir haben versucht, mit ihm die Beweggründe zu diskutieren und ihm gesagt, dass wir ihn sehr, sehr gerne weiter bei uns sehen würden.

Lagen seine Beweggründe auch beim SV Darmstadt oder nur im Reiz des Neuen?
Ich verstehe ja, dass Sie nachbohren. Wir wollten Aytac behalten, Aytac wollte ihn die Türkei. Belassen wir es dabei. 

Inwiefern sehen Sie eine Chance in der Personalie Sulu? Es kann ja durchaus befreiend wirken auf ein Team, wenn eine solch dominante Figur plötzlich nicht mehr da ist.
Die Chance besteht darin, dass andere Spieler jetzt mehr Verantwortung übernehmen müssen und in eine Führungsrolle hineinwachsen. Aber ich muss auch ganz klar sagen: Von Aytac Sulu musste man niemanden befreien. Er hat die Mannschaft immer mitgenommen, ist fast ein bisschen als Vaterfigur vorangegangen, gerade für die jüngeren Spieler, und hat viele Dinge schon intern geregelt, bevor man da als Trainer eingreifen musste. Von heute auf morgen wird, was das angeht, kein einzelner diese Rolle von Aytac übernehmen können. Das können wir nur im Kollektiv auffangen. Kaderpolitisch gesehen ist es allerdings so, dass wir jetzt dringend noch etwas tun müssen auf der Innenverteidigerposition.

Sind abgesehen davon weitere Zugänge geplant? Bislang ist Victor Palsson fürs defensive Mittelfeld vom FC Zürich dazugekommen, Sören Bertram kam aus Aue und soll den Angriff verstärken. 
Generalstabsmäßig geplant ist es nicht. Aber es ist wie immer: Wir sind mit offenen Augen und Ohren unterwegs und sind empfänglich für die Signale von Spielern, die interessant für uns sind.

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