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Jahrestag Razzia gegen Rechtsaußen

Vor einem Jahr zerschlug die Polizei die „Berserker Lahn-Dill“. Ein Prozesstermin ist noch immer nicht angesetzt.

Symbolfoto Polizei
Polizei im Einsatz (Symbolfoto). Foto: dpa

Die Einsatzkräfte kamen gegen sechs Uhr am Morgen: Heute vor einem Jahr durchsuchten bewaffnete Spezialeinheiten der hessischen Polizei mit Drogen- und Sprengstoffhunden gleichzeitig vier Wohnungen in der Umgebung von Dillenburg im Lahn-Dill-Kreis. Sie beschlagnahmten unter anderem Laptops, Luft- und Schreckschusswaffen, Butterfly-Messer, Neonazi-Propaganda, Drogen und ein Schwert. 

Die Razzia richtete sich gegen vier Mitglieder der rechtsextremen Hooligan-Truppe „Berserker Lahn-Dill“, die seit dem Frühjahr 2017 mit einheitlichen schwarzen Pullovern auf Neonazi-Demonstrationen in der Region aufgefallen war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Männer im Alter zwischen 27 und 40 Jahren wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie auf Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Alle vier wurden kurzzeitig festgenommen, aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach der Durchsuchung teilten die Ermittler damals mit, die Berserker Lahn-Dill seien hierarchisch aufgebaut, träten uniformiert auf, verfügten über Kontakte in die bundesweite Neonazi-Szene und hätten bis zu 100 Anhänger.

Ein Jahr nach der Durchsuchung, die über Hessen hinaus für Aufsehen gesorgt hatte, ist immer noch nicht absehbar, wann der Fall einmal vor Gericht landen könnte. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt sagte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage, die Auswertung der sichergestellten Beweismittel und Datenträger dauere weiter an. 

„Andere Felder beackern“

Offiziell existieren die Berserker Lahn-Dill, bei denen es sich offenbar um einen hessischen Ableger der rechtsextremen Hooligan-Gruppe „Berserker Pforzheim“ aus Baden-Württemberg handelt, mittlerweile nicht mehr. Bereits kurz nach der Razzia teilte ein Anführer der Gruppe, der auch Kontakte zur hessischen NPD hat, auf Facebook und in einem eher ungewöhnlichen Schreiben an die Lokalpresse die Auflösung der Gruppierung mit. Die Mitglieder der Berserker würden aber „bestimmt weiterhin hier und da auf Demonstrationen gehen und andere politische Felder beackern“, hieß es in der Erklärung.

Dass es sich bei der Auflösung der Berserker eher um einen taktischen Zug handelte, war seitdem immer wieder gut zu beobachten: Der Neonazi, der als „Leader“ – also Führer – der Berserker Lahn-Dill aufgetreten war, ist in der rechten Szene weiterhin sehr aktiv, zuletzt im vergangenen November bei der Organisation eines Rechtsrock-Konzerts im rheinland-pfälzischen Wahlrod. 

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