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Till Brönner Till Brönner über Frankfurt und sein Album

Till Brönner ist nicht nur einer der erfolgreichsten deutschen Jazz-Musiker, sondern auch ein künstlerisches Multitalent: als Trompeter, Sänger, Produzent und Fotograf. Im Interview spricht er über Frankfurt und sein neues Album.

Brönner
Virtuos an der Trompete: Till Brönner. Foto: (Extern)

Till Brönner, weltbekannter Trompeten-Virtuose, ist viel unterwegs: Allein in dieser Woche stehen Dortmund, Saarbrücken, Frankfurt, Mannheim und Hannover auf dem Programm. Noch ist da die Ruhe vor dem Sturm: Gerade ist er in seiner Wohnung in Berlin, neben Los Angeles sein zweiter Wohnsitz. Mal einen Tag in Berlin zu sein, sei großer Luxus, sagt der 47-Jährige.

Was verbinden Sie mit Frankfurt?
Frankfurt ist die Jazzstadt, die dafür gesorgt hat, dass deutscher Jazz endlich eine eigene Identität finden konnte. Und sie steht sicherlich für die Art von Jazz, die man nicht dauernd vergleichen muss, für die Art von Jazz, die sich als Reaktion auf das überpräsente amerikanische Jazzgeschehen emanzipieren konnte. Zudem ist sie unter anderem durch Albert Mangelsdorff traditionsreich.

Und Ihre persönliche Verbindung zu Frankfurt?
Mit Frankfurt verbinde ich Professor Malte Burba. Er hat mir auf der Trompete ganz wesentliche Weichen gestellt. Mitte meiner 20er Jahre, also etwas verspätet, habe ich Unterricht bei ihm genommen und war oft in Frankfurt. Der Stadt wird ja oft diese trockene Business-Oberflächlichkeit und glatte Stadtplanung vorgeworfen. Das hat mich nie abgestoßen. Ganz im Gegenteil, ich habe mich hier eigentlich immer sehr zu Hause gefühlt und empfinde Frankfurt generell als sehr international orientiert, was ja auch damit zusammenhängt, dass hier einfach viel internationales Publikum verkehrt. Also kurzum: Was immer mich mit Frankfurt verbindet, es ist positiv. Umgedreht war das übrigens nicht immer so.

Können Sie sich an Ihr erstes Konzert erinnern, das Sie in Frankfurt besucht haben?
Dadurch, dass ich ja meistens schon selbst gespielt habe, kann ich mich daran nicht erinnern. Was ist aber noch weiß: Ich habe irgendwann mal im Sinkkasten ein Jazzkonzert gespielt. Eine große Jazzlocation, die es heute nicht mehr gibt. Lustig ist aber, dass der Sinkkasten in der Brönnerstraße war. Deswegen habe ich mir das sehr genau gemerkt. Womöglich war das sogar mein erstes Konzert in Frankfurt. Lang ist’s her, es folgten dann ja auch nicht gerade wenig Konzerte hier.

Kommen wir von Frankfurt zu den bayerischen Alpen. Warum haben Sie mit Kontrabassist Dieter Ilg ausgerechnet in Schloss Elmau Ihr Album „Nightfall“ aufgenommen?
Elmau hat sich das Thema Jazz auf die Fahnen geschrieben. Das und die Möglichkeit, künstlerisch und physisch in Klausur gehen zu können, hat Dieter Ilg und mich fasziniert. Wir sind dann tatsächlich in einem ganz neutralen Keller mit vier Samtvorhängen, ohne Annehmlichkeiten versackt und haben dort in zwei, drei Tagen das Album aufgenommen. Natürlich sind wir dann doch ab und zu, weil es ja auch Pausen geben muss, nach oben gegangen. Das Farbenspiel an der Gebirgskette am Wetterstein ist einfach sehr besonders. Das, bilden wir uns ein, ist in Teilen auch in die Platte miteingeflossen.

Woran machen Sie das fest?
Der Klang ist ja immer etwas sehr persönliches. Der Titel „Wetterstein“ ist zum Beispiel eher eine Mischung aus einer Geräuschesammlung und einer Atmosphäre. In der Natur sind auf einmal Geräusche da, die in einer Stadt überhaupt nicht wahrnehmbar sind. Wenn wir das Stück live spielen, ist es erstaunlich, wie sich fast jeder Konzertraum in etwas völlig anderes verwandelt, nur weil wir versuchen, Alpenatmosphäre in die Instrumente zu packen. Wir haben auf unseren Konzerten die Regel, dass wir jeden Klang, den wir produzieren, nur mit unseren Instrumenten erzeugen. Auch wenn wir sie dann verfremden, es bleiben immer die Töne von Kontrabass und Trompete. Und das kann streckenweise durchaus nach dem Yeti klingen.

Sie sind nicht nur Trompeter, Sänger, Komponist, Arrangeur und Professor, sondern auch Fotograf. Wie passt das unter einen Hut?
All das kann man zusammenfassen: Ich bin Geschichtenerzähler. Fast alle meine Alben haben ein Oberthema. Meine Bilder erzählen eine Story. Eine gute Geschichte will sich entfalten dürfen und atmen.

Interview von Lara Feder

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