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Offenbach Rumpenheimer Schlosspark wird hergerichtet

Nach neun Jahren Wartezeit werden im Rumpenheimer Schlosspark neue Wege gebaut. Eine Bürgerinitiative in Offenbach setzt sich seit Jahren für dessen Pflege und Erhalt ein.

Zarenlinde
Die Mitglieder der BIR freuen sich, dass die Zarenlinde wieder zugänglich wird. Foto: Monika Müller

Spaziergängern im Schlosspark Rumpenheim ist es schon aufgefallen: Rund um den Monopteros werden Baugeräte gelagert, am Aussichtshügel ist mit rot-weißem Flatterband ein Weg abgesteckt und viele gestutzte Baumstümpfe ragen aus dem Boden. Zwei neue Wege mit einer Gesamtlänge von 320 Metern werden angelegt, dazu etliche der wild wuchernden Bäume und Sträucher, welche die historischen Sichtachsen des denkmalgeschützten Parks zerstören, gefällt. Bis April sollen die Bauarbeiten andauern, die Kosten sind auf rund 212.000 Euro veranschlagt.

Besonders groß ist die Freude über die Arbeiten bei der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR), die seit Jahren für die Pflege und den Erhalt des Schlossparks kämpft. „Was jetzt umgesetzt wird, dafür kämpfen wir seit 2010“, sagt Rainer Groepper von der BIR. Zwar hatte die Stadtverordnetenversammlung vor neun Jahren beschlossen, den Schlosspark wieder herrichten zu lassen, doch umgesetzt wurde nichts. „Erst hieß es, dass kein Geld dafür da sei und dann, dass das Bauamt kein Personal dafür habe“, sagt BIR-Vorsitzender Bruno Persichilli. Immer wieder mahnte die Initiative in den vergangenen Jahren die Arbeiten an und wurde auch selbst tätig: So zogen Freiwillige in Absprache mit dem Umweltamt Schösslinge rund um den Aussichtshügel. 

Denn dass der Schlosspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt wurde, ist kaum noch zu erkennen. Über Jahre ließ die Stadt den Aussichtshügel fast vollkommen überwuchern, um die Bäume sammelte sich Gestrüpp, das die Sichtbeziehungen zwischen den verschiedenen Stationen des Parks behinderte. 

Inzwischen ist der Aussichtshügel größtenteils von den Pflanzen befreit, mit grün gestrichenen Stöcken ist der neue Pfad auf den Aussichtshügel markiert. „Natürlich muss noch einiges gemacht werden, aber wir sind froh, dass der Aussichtshügel endlich wieder begehbar wird“, sagt Jürgen Lindow von der BIR. Noch gibt es aber genug Schösslinge, die Ehrenamtliche im Februar entfernen wollen. „So ein Park muss ganzjährig gepflegt werden, sonst wuchert er zu“, sagt Lindow.

Wenn der neue Weg im April fertiggestellt ist, sollen auch wieder die historischen Sichtachsen freigelegt sein. „Vom Aussichtshügel aus sollten das Schloss und der türkische Pavillon zu sehen sein“, sagt Groepper. Noch versperrt aber Wildwuchs den Blick auf den 1855 im Rahmen der Pariser Weltausstellung erworbenen Pavillon. „Früher gab es zum Beispiel auch eine Sichtachse vom Monopteros zum Horizontpavillon nordöstlich vom Goldockerhof, aber wir wollen realistisch bleiben: Die wieder herzustellen, ist nicht machbar“, so Persichilli. 

Mit roten Stöcken ist im südöstlichen Teil des Parks ein zweiter Weg abgesteckt. Der führt zur sogenannten Zarenlinde: Zar Nikolaus I. hatte diese 1844 anlässlich der Hochzeit seiner Tochter Alexandra mit Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen-Rumpenheim pflanzen lassen. „Im 19. Jahrhundert war der Schlosspark der Treffpunkt des europäischen Hochadels, hier flanierten Angehörige des russischen Zarenhauses oder der englischen Königsfamilie“, sagt Lindow. 

Bisher musste durchs Unterholz, wer die Zarenlinde besichtigen wollte, der neue Weg soll das Naturdenkmal wieder erlebbar machen. „Es wird auch eine Bank aufgestellt“, sagt Persichilli. Die BIR-Mitglieder freut auch, dass der Park eine Beschilderung erhält, die auf noch erhaltene wie einstige Sehenswürdigkeiten hinweist. Die Fundamente des „Schweizer Hauses“ etwa wären sonst kaum noch im Park zu entdecken.

Nur vom Wunsch nach einer Bank beim Bouleplatz mit Blick auf den Main musste sich die BIR verabschieden: Zwar wollte die BIR diese aus eigener Tasche zahlen, doch die von der Stadt genannten 3000 Euro dafür übersteigen deren Möglichkeiten.

Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR) wurde 1973 gegründet und zählt rund 150 Mitglieder. Montags gibt es von 15 bis 17 Uhr ein offenes Café in den Räumen der BIR, Landgraf-Friedrich-Straße 1.

Für Samstag, 9. Februar, lädt die BIR von 10 bis 14 Uhr zur Säuberung des Schlossparks ein; rund um den Aussichtshügel werden Schösslinge gezogen. Im Anschluss daran führt Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal durch den Schlosspark und stellt die neue Wegführung vor.  www.bi-rumpenheim.org

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