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Abgang von Merkel Wenn eine Ära endet

In der CDU steht nur eines fest: Die Zeit von Angela Merkel ist vorbei. Was kommt, ist ungewiss. Folgt ihr Kramp-Karrenbauer oder Merz? Und in welche Richtung entwickelt sich die Partei? Der Leitartikel.

Angela Merkel
Foto: dpa

Die Ära Merkel in der CDU endet in der kommenden Woche mit zwei Entwicklungen, die gegenläufiger nicht sein könnten. Da ist zum einen diese: So viel Lebendigkeit und auch so viel positive Energie war lange nicht in der Partei. Gleichzeitig stand das Auseinanderbrechen der CDU nie so kurz bevor.

Mit ehrlichem Interesse, Begeisterung, ja geradezu Wonne haben sich die Mitglieder in den Wettbewerb um den neuen Parteivorsitzenden gestürzt. Tausende von Christdemokraten haben sich in den vergangenen Wochen aufgemacht, um auf Regionalkonferenzen die drei Kandidaten für den Parteivorsitz zu begutachten und zu befragen. Mehrfach musste auf größere Hallen ausgewichen werden. Allein in Düsseldorf strömten fast 4000 herbei. Die bisherige Parteichefin Angela Merkel, die zuweilen den Status eines festgeschraubten Inventars erreicht zu haben schien, wirkte schon fast vergessen.

Die CDU-Basis breitete auf den Konferenzen auch ihre Themen aus, zwar moderiert, aber eben nicht kanalisiert durch Parteitagsabläufe und -anträge. Regionale Unterschiede wurden sichtbar: In Ostdeutschland fragten viele nach Migration, im reichen Baden-Württemberg nach Steuern und Wohnungsbau. Manche besorgten Migrations-Frager reisten quer durch die Republik in andere Landesverbände, um ihre Fragen loszuwerden. 

Schaulaufen der Kandidaten 

Die Kandidaten versuchten ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Schwachstellen auszubügeln: Friedrich Merz, belastet vom Ruf eines etwas unverträglichen Bärentöters, begab sich auf einen freundlich-netten Mitte-Kurs, vor dem er dann offenbar selbst erschrak und daher zwischendurch mal schnell das Asylrecht abservierte. Kramp-Karrenbauer kämpfte gegen das Merkel-Kopie-Image, und auch sie bediente sich dabei der Migrationspolitik und forderte etwa die Abschiebung ins Bürgerkriegsland Syrien. Es gibt, so scheint es, einen erheblichen Kompensationsbedarf der CDU bei diesem Thema.

Ein Favorit hat sich bei all dem noch nicht herausgebildet, nur der dritte Platz ist fest an Jens Spahn vergeben, der seine Kandidatur seit Jahren mit einem Marathon durch Kreisverbände vorbereitet hat und nun seine ganz eigene Erfahrung mit Loyalität macht. 

Die Merz-Welle blieb aus 

Die Fans von Friedrich Merz waren anfangs und auch auf manchen Regionalkonferenzen besonders laut zu vernehmen. Aber eine Merz-Welle gab es nicht. In den Umfragen liegt Kramp-Karrenbauer leicht vorne. Sehr abwägend und abwartend verhalten sich die meisten CDU-Mitglieder. Es geht ja nicht nur um die Parteiführung, sondern aller Voraussicht nach auch um den nächsten Kanzlerkandidaten.

Es ist ein Abwägen zwischen Inhalten, persönlicher Sympathie, Wahlchancen und der Lust beziehungsweise Unlust auf Krawall. Es kann ja durchaus sein, dass der jetzt so gelöst wirkenden Partei nach der Wahl in einer Woche der Atem stockt. Das Schaulaufen der Kandidaten haben alle noch als Hochamt der Demokratie gefeiert.

Aber wenn der neue Chef oder die neue Chefin feststeht, was macht dann das Verliererlager? Die Notwendigkeit des Zusammenhalts auch nach dem Parteitag ist in den vergangenen Wochen in einer Art und Weise beschworen worden, die das Ausmaß der Angst vor einem lauten Knall deutlich machen. Vor allem den Merz-Fans wird zugetraut, sich bei einer Niederlage ihres Favoriten enttäuscht abzuwenden von der CDU. Es wäre wohl das nächste Aufschwungprogramm für die AfD. Aber wählen Kramp-Karrenbauer-Anhänger Merz, um zu verhindern, dass dessen Leute beleidigt sind?

Schlägt der Schwung in Hadern um? 

Es ist die Frage, ob und wann der Schwung der CDU in das nächste große Hadern umschlägt. In Baden-Württemberg beispielsweise sind die Gräben, die das Rennen um den Landesvorsitz dort vor 15 Jahren hinterlassen hat, noch immer nicht zugeschüttet.

Das hat zur Folge, dass sich nach der Parteivorsitzendenwahl manches anders entwickelt als bisher erwartet. Friedrich Merz etwa dürfte mit Angela Merkel zwangsharmonieren, um die Moderaten in der CDU nicht zu verschrecken. Und Kramp-Karrenbauer wäre wohl nicht schlecht beraten, als Parteichefin auf eine schnelle Neuwahl zu dringen, um damit die Partei zur Gemeinsamkeit zu zwingen. Sicher ist allerdings in der CDU vor allem eines: dass die Ära Merkel endet. Sonst nichts. 

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