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Die Grünen Boris Palmer und der dunkelhäutige Radfahrer

Woran erkennt man einen Asylbewerber? Anhand seines rowdyhaften Fahrstils auf dem Fahrrad? Oder anhand der Hautfarbe? Boris Palmer äußert sich hierzu auf Facebook. Ein Kommentar.

Die Grünen
Boris Palmer provoziert häufig das eigene Klientel. Foto: imago

Der Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Boris Palmer, sieht sich nach Äußerungen auf Facebook erneut Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Unter einer Veröffentlichung des Grünen-Politikers vom 25. April fragt ihn eine Leserin, warum er es für nötig erachte, neben dem Fehlverhalten eines Radfahrers ebenso dessen Hautfarbe zu kommunizieren. „Hätten Sie auch erwähnt, (wenn) er eine Brille … oder (wenn) … er einen Leberfleck auf der Wange (gehabt hätte)?“

Palmer, der einen regen Austausch auf seiner Facebook-Seite pflegt, sagt dazu: „Weil der Typ mit nacktem Oberkörper, Kopfhörer und einer unglaublichen Dreistigkeit um die Leute rum gekurvt ist. Das gehört sich für niemanden und für einen Asylbewerber schon dreimal nicht.“

Beifall aus der rechten Ecke

Dunkelhäutiger Oberkörper, schlechter Fahrstil - daran will Palmer also einen Asylbewerber erkennen. Ein rassistisches Vorurteil. Und eigentlich sollte man das einem Oberbürgermeister, den die Grünen stellen, nicht sagen müssen.

Er setzt aber lieber noch einen drauf, als gelte es, in- und außerhalb seiner Fanbase einen Ruf zu verlieren. Palmer weiß offenbar gar nicht, ob es sich tatsächlich um einen Asylbewerber handelt: „… weil ich wette, dass es ein Asylbewerber war. So benimmt sich niemand, der hier aufgewachsen ist mit schwarzer Hautfarbe. Das wäre völlig missglückte Integration.“

 

Palmer wettet bei dunkelhäutigen Radfahrern auf ihren Status als Asylbewerber - und tischt eine abenteuerliche Begründung auf:  dass ein „hier Aufgewachsener“ sich so nicht verhalte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Boris Palmer mit solchen Äußerungen auffällt: „Ist es bereits rassistisch, bestimmte negative Verhaltensweisen einer Gruppe zuzuordnen? Ich bestreite das“, hatte der Grüne vor einigen Monaten in Facebook geschrieben. Und dem muss man entgegnen: „Ja, Herr Palmer, das ist es.“

So manche Parteigenossen aus seinem engen Umfeld kritisierten Palmer bereits heftig. In einem offenen Brief, der den Stuttgarter Nachrichten vorliegt, beschwert sich der Vorstand des Tübinger Grünen-Kreisverbands beim Oberbürgermeister über dessen öffentliches Auftreten auf Facebook: „Deine Art der Kommunikation, und die Weise, wie Du aktiv und bewusst provozierst, ist problematisch“, heißt es in dem Schreiben.

Tatsächlich ist auffällig, wie viel Beifall Palmer aus der rechten Ecke erhält. Der Beifall aus dieser Richtung hat sein Verhalten bislang nicht geändert. Nach wie vor steht er in den sozialen Netzwerken seinen Mann, wenn es gilt, die linke Klientel zu empören.

Beispielsweise legte er im vergangenen Jahr Wert darauf, sich vom Anti-Rassismus zu distanzieren. „Anti-Rassist werde ich bestimmt nicht. Offen gestanden: Das ist für mich eine abschreckende, intolerante Ideologie“, postete er auf Facebook. Aktuell will er wohl den Beweis für diese Aussage antreten.  

Eindeutig hatte er bereits formuliert, dass es für ihn einen Unterschied mache, ob ein Asylbewerber eine Frau vergewaltige oder einer, „der in diesem Land aufgewachsen ist“. Die Diskussion, ob sich ein nicht hier aufgewachsener Nicht-Deutscher in Deutschland besser zu verhalten habe als ein Deutscher beziehungsweise ein hier aufgewachsener Nicht-Deutscher, ist eine seiner liebsten -  und kann getrost als rein populistisch angesehen werden. Die Perspektive ist nämlich nicht die des Opfers oder der Tat an sich, sondern die des Politikers, der ein Ereignis für seine Zwecke ausschlachtet und auf nationalistischen Wiesen grast.

Boris Palmer unterfüttert seine Behauptung einzig mit seiner persönlichen Einschätzung: Nicht nur ist das Verhalten des vermeintlichen Asylbewerbers härter zu ahnden, gleichzeitig folgt die Meinung, ein in Deutschland Sozialisierter würde so etwas bei Integration nicht tun. Und wie verhält es sich mit den „Biodeutschen“? Ist deren potentielles Fehlverhalten am wenigsten zu ahnden? Und welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Integration?

Diese Hierarchisierung ist eine logische Konsequenz seiner Veröffentlichungen, und das nennt man Richten nach unterschiedlichen Maßstäben, hier in Bezug auf die vermeintliche Herkunft. Das ist nicht nur antidemokratisch  sondern – ja, rassistisch.

Dieses Etikett wird Boris Palmer weit von sich weisen, immerhin ist er ja bei den Grünen. Auch wenn der grüne Lack längst abgeblättert ist.

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