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„Mord geht immer: Der Koch ist tot“, ZDF Immer das letzte Wort

Frecher Humor, flotte Bildgestaltung und klassische Täterjagd machen den zweiten Fall von Kommissarin Schweiger zu einem unterhaltsamen Krimivergnügen.

Mord geht immer – Der Koch ist tot
Jan Remus (Peter Miklusz), Julia Kindt (Cornelia Gröschel), Peter Grünweg (Dirk Borchardt), Thomas Ross (Serkan Kaya) und Olga Porizkova (Zeljka Preksavec) stehen hinter der Essensausgabe. Foto: ZDF/Martin Valentin Menke

Das Metier der Feinschmeckerköche ist für sich schon mörderisch, auch wenn nicht gerade ein Killer umgeht. Die dynamische Eingangssequenz des Krimis von Autor Stefan Rogall und Regisseur Markus Sehr vermittelt einen Eindruck vom Stress zwischen Herd und Anrichte, vom ewigen Kurzstreckenrennen der weißen und schwarzen Brigaden. Kameramann Andreas Köhler führt die Zuschauerschaft mit einer eleganten Plansequenz vom Speiseraum in die Küche, wo nicht nur von den Herden Hitze ausgeht. Musik und Geräusche fließen ineinander. Eine Küchenhilfe verbrennt sich und lässt den Teller fallen. Gefühle kochen hoch, Hass bricht auf. Der Küchenmeister und der Saucier gehen sich an die weißen Kragen. Der Maître greift zum Messer und kann sich gerade noch beherrschen. Aber dann gibt es doch noch eine Leiche.

Unterhalb der Gürtellinie

Kommissarin Maxxie Schweiger (Fritzi Haberlandt), die nach „Der Chef ist tot“ ihren zweiten fernsehöffentlichen Fall aufgetragen bekommt, ist heilfroh, aus dem Büro, wo sie wider Willen mit der Ausrichtung einer Jubiläumsparty für den Oberrat (Rudolf Kowalski) beauftragt wurde, an einen Fundort gerufen zu werden. Sie reist mit einem schmucken Renault R4 - spätere Bauart, die mit der Plastikzierleiste an der Flanke -, ein so leichtgewichtiges Auto, dass es problemlos aufzuhalten ist, wenn die Fahrerin vergisst, auf abschüssigen Gelände die Handbremse zu ziehen…

Ein kleiner, dezent im Hintergrund ablaufender visueller Gag, den das Team wohl nicht ungenutzt lassen wollte. Der eigentliche Witz dieser Komödie aber liegt im Gebaren der eigenwilligen Kommissarin, vor allem in den Dialogen. Am mutmaßlichen Tatort, dem zum Edelrestaurant umgestalteten Ausflugslokal „Waldesruh“, angekommen, meldet sie prompt „Kohldampf“ an, beschließt jedoch: „Jetzt aber erst mal die Leiche.“

Gefunden wurde das Opfer, dem ein Messer in die männlichen Spezialorgane unterhalb der Gürtellinie gestoßen wurde, im Müllcontainer. Fragt die Kommissarin: „Sie haben ihn gefunden?“ - „Nee, das war unsere Olga.“ - „Ach, sie haben eine eigene Olga?“

Mit aggressivem Charme

Gags dieser Art gibt es reichlich, nicht einzeln gestreut, sondern als durchgängiges Charaktermerkmal der Kommissarin. Die macht ihrem Nachnamen Schweiger keine Ehre, kann im Gegenteil den Mund nicht halten, auch wenn sie mit ihren nassforschen Bemerkungen gegen sämtliche Gebote von Pietät und Etikette verstößt. In norddeutschen Gegenden gibt es den Spruch: Wenn die mal tot ist, muss man ihre Klappe noch extra totschlagen. Auf Maxxie Schweiger trifft das zu. Nicht einmal ihr Vorgesetzter vermag ihr beizukommen. Jeden Rüffel, jede Ermahnung weiß sie mit jugendlichem Überschwang, überbordendem, fast schon aggressivem Charme und durchaus geistreich zu parieren. Meist fügt sich der soignierte Dienststellenleiter mit Leidensmiene in sein Schicksal, einmal aber bricht es aus ihm heraus und er beschimpft die Untergebene als „eine Mischung aus einem verhaltensgestörten Terrier und einem peinlichen Clown, der alle Welt dazu zwingt, über seine Witze zu lachen.“

Zwang aber ist gar nicht erforderlich, um über diese Witze, die aus der Fallhöhe zwischen angemessenem oder erwartbaren Verhalten und Maxxie Schweigers groben Verstößen entstehen, lachen zu können, ein Faible für makabren Humor vorausgesetzt. Mit dieser Konsequenz unterscheidet sich „Mord geht immer“ von jenen Kriminalkomödien, in denen die Scherze erkennbar vorsätzlich, schlimmstenfalls gar mit Ansage präsentiert werden. Wenn hingegen die Figur gründlich entwickelt wird und sich der Humor dann wie natürlich aus ihrem Denken heraus ergibt, dann kann eine Kriminalkomödie unterhalten, ohne angestrengt zu wirken.

(Für alle, die den Film versäumen müssen – die übrigen springen bitte vor zum nächsten Absatz –, hier schon mal der beste Spruch der neunzig Minuten: „Manche haben ein so dickes Fell, die brauchen kein Rückgrat mehr.“)

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