Lade Inhalte...

„Der Prag-Krimi: Wasserleiche“, Das Erste Mord am Moldaustrand

Einsatz in Prag: Ein Kommissar muss den Tod seines Kollegen aufklären. Dabei versucht die ARD, malerische Städte- und Landschaftsbilder mit einer psychologischen Fabel zu kombinieren.

Einsatz in Prag: Komissar Jan Koller soll den Tod seines Kollegen aufklären. Foto: ARD/Degeto

Am vergangenen Samstag erst hatte die Titelheldin der ZDF-Reihe „Helen Dorn“ eine Botschaft aus Prag erhalten, die Ermittlungen in der tschechischen Hauptstadt nach sich zog. Wenn jetzt Das Erste einen „Prag-Krimi“ folgen lässt, könnte man das als Eintönigkeit hinstellen. Oder reizvolle Vergleiche ziehen.

„Der Prag-Krimi“ fällt in eine Reihe mit Auslandskrimis, in deren Anfängen die schönen Bilder von ausgesucht attraktiven, allzeit besonnten Schauplätzen oftmals wichtiger waren als die Handlung. Mittlerweile lassen die Beiträge, die sämtlich vom ARD-Unternehmen Degeto in Auftrag gegeben werden, zu einem guten Teil höhere Ambitionen erkennen. Im Falle des „Prag-Krimis“ gelingt es sogar, malerische Städte- und Landschaftsbilder mit einer psychologisch durchdachten Fabel zu kombinieren. Das Autorenteam, dem neben Martin Behnke und Felix Benesch auch der preisgekrönte tschechische Romancier und Drehbuchautor Jaroslav Rudiš angehörte, kam auf einen pfiffigen Kniff: Sie zeigen Prags besondere Reize, geben aber sogleich zu erkennen, dass die Bildfolge der touristischen Perspektive entspricht. 

Es ist nicht die Sichtweise des deutschen Kriminalbeamten Jan Koller (Roeland Wiesnekker), der nach Prag beordert wird, als dort am Moldaustrand die Leiche des deutschen BKA-Beamten Frank Müller (Dirk Borchardt) angespült wird. Müller stand im Verdacht der Bestechlichkeit und war Gegenstand interner Ermittlungen. Jan Koller, der tschechisch spricht, soll die Prager Kollegen unterstützen. Anfangs sträubt er sich. Für ihn ist Prag mit schlimmen Erinnerungen verbunden. Die überfallen ihn, als sein Zug auf dem Prager Bahnhof hält, und sie nehmen ihn so mit, dass er verstört sitzenbleibt. Die tschechische Polizistin Klára Majerova (Gabriela Maria Schmeide) entdeckt ihn und holt ihn zurück in die Gegenwart. Majerova ist ebenfalls Kriminalistin, wurde aber zum Streifendienst strafversetzt. Jetzt darf sie wieder in Zivil ermitteln. Ausnahmsweise, weil sie Deutsch spricht. Wenn auch mit hörbarem Akzent. 

Der Rollenspieler

Majerova ist kompetent, zielstrebig, gradlinig. Mit der Herangehensweise des Deutschen stimmt sie nicht überein. Koller mag das Theater und liebt den großen Auftritt. Der Schauplatz der Tat, die Begegnungen mit Zeugen und Verdächtigen, all das ist ihm immer auch Bühne, in der er eine Rolle spielt, mal den Komödianten, mal den Tragöden. Liebend gern gibt der Thespis-Jünger selbst den Regisseur. Und so lässt er die Vorgänge des Todestages von den Beteiligten nachspielen, um sie mit ihren Widersprüchen zu konfrontieren und den oder die Täter in die Enge zu treiben.

Es war der Abend vor einer Hochzeit, die Angehörigen von Braut und Bräutigam waren in Prag unterwegs, hatten eine Tour mit einer historischen Straßenbahn und einen Kneipenrundgang gebucht. So sehen wir Zuschauer also Prag, wie es sich den auswärtigen Gästen darbietet, zugleich aber mit dem gebrochenen Blick jener, die, ob schuldig oder unschuldig, in die Ermittlungen verstrickt wurden.

Zu diesem Aspekt gehört auch, dass Jan Koller am ersten Tag seines Aufenthalts Prag ganz anders wahrnimmt. Er wohnt nicht in einer der innerstädtischen Prachtherbergen, sondern fährt ausblicklos per U-Bahn in einen Randbezirk und bezieht dort einen tristen, gesichtslosen Hotelklotz, wo man Handtuch und Seife selbst ins Zimmer tragen muss und der Geruch der billigen Seife ein abwehrendes Naserümpfen auslöst.

Mit dem Berliner Kriminalermittler Jan Koller ist dem Autorenteam eine farbige Figur gelungen. Es lässt sich nicht immer auf Anhieb erkennen, ob man Koller gerade als Rollenspieler oder authentisch erlebt. So geht es auch seiner pragmatischen Kollegin Majerova, die entnervt reagiert. Auch historisch-politisch sind die beiden uneins, sich aber doch wiederum ähnlich in ihrem Einzelgängertum und ihrer Abneigung gegen strikte Hierarchien.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen