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„Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“, ARD Sinnlichkeit und Eleganz, aber keine Raffinesse

Das biografische Drama mit Katharina Wackernagel in der Rolle der erfolgreichen Verlegerin ist als Zweiteiler deutlich zu lang geraten.

Aenne Burda
Katharina Wackernagel als Verlegerin Aenne Burda in ihrem Büro in Offenburg. Foto: SWR/Hardy Brackmann

Eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzt, und das zudem in einer Zeit des Aufbruchs: erstaunlich, dass die Geschichte von Aenne Burda nicht schon längst verfilmt worden ist. Als wär’s eine Erfindung des Drehbuchs, war der erste Schritt zu ihrem Aufstieg im Jahr 1949 ausgerechnet ein Fehltritt ihres Mannes.

Der Film greift dafür auf ein beliebtes Muster zurück: Er vergisst die Brieftasche, sie fährt ihm nach, ertappt ihn mit einer Anderen und erkennt schockiert, dass er eine zweite Familie hat. Eine weitere Entdeckung empört sie jedoch ungleich mehr: Schon vor Jahren hat Anna - Aenne nennt sie sich erst später - ein Konzept für eine Modezeitschrift entworfen. Nun muss sie feststellen, dass Ehemann Franz (Fritz Karl), einer der erfolgreichsten Medienunternehmer der Nachkriegszeit, nicht nur bereits seit 1947 die Lizenz für ein solches Magazin besitzt; er finanziert seiner Geliebten Elfriede (Cornelia Gröschel) auch einen kleinen Verlag für die Zeitschrift „Elfi-Moden“. Die zornige Anna wagt nun einen unerhörten Schritt: Sie droht Franz mit der Scheidung und zwingt ihn, ihr den Verlag zu überschreiben. Der Gatte willigt ein, aber der Erfolg ist buchstäblich teuer erkauft, denn zum Unternehmen gehören Verbindlichkeiten in Höhe von 200.000 Mark; eine für damalige Verhältnisse ungeheure Summe.

Das ist ein dankbarer Spielfilmstoff, keine Frage, und weil der Burda-Verlag noch heute im südwestbadischen Offenburg sitzt, hat der SWR bei „Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau“ selbstverständlich die Federführung. Mit der gebürtigen Freiburgerin Katharina Wackernagel konnte zudem quasi eine Einheimische für die Titelrolle gewonnen werden. Dass in dem Film trotzdem niemand Badisch spricht, fällt angesichts diverser anderer Kritikpunkte allerdings kaum ins Gewicht.

„Aenne Burda“ enthält zu viele überflüssige Szenen  

Größtes Problem des aufwändigen Zweiteilers (Teil zwei folgt nächsten Mittwoch): Der Film wirkt, als habe die Handlung nicht für 180 Minuten gereicht. Würde man „Aenne Burda“ um all’ jene Szenen kürzen, die nichts zur Geschichte beitragen, wäre das Ergebnis vermutlich ein spannender zweistündiger Fernsehfilm. Zu den überflüssigen Szenen gehören zum Beispiel die ständigen Autofahrten, die Anna Burda gerade im ersten Teil unternimmt, auch wenn es Wackernagel sicher Spaß gemacht hat, in dem extravaganten schwarzroten Käfer-Cabrio aus der Hebmüller-Serie unterwegs zu sein; vorausgesetzt, sie ist überhaupt selbst gefahren.

Inhaltlich stimmig, aber in der Umsetzung (Regie: Francis Meletzky) nicht überzeugend ist auch ein Gespräch zwischen Burdas Faustballkumpanen, die sich darüber wundern, dass ihr Mitspieler seiner Frau derartige Alleingänge erlaubt. Deutlich unsympathischer sind allerdings die Ehefrauen, die sich über Anna das Maul zerreißen. Beide Szenen verdeutlichen natürlich den Geist einer Zeit, in der sich der Status eines Mannes auch darin zeigte, dass die Gattin nicht arbeiten musste; ohne seine Erlaubnis durften Frauen nicht mal ein eigenes Konto eröffnen.

Ungleich gelungener sind trotzdem jene Momente, die Anna Burda als unabhängige „Selfmade“-Frau feiern, weil sie sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt und ihren Schmuck versetzt, um ihre Angestellten bezahlen zu können (Buch: Regine Bielefeldt). Nicht weniger bewundernswert ist ihre unerschütterliche Überzeugung. Sie will es den Frauen ermöglichen, Kleider zu nähen, wie sie in Paris getragen werden. Franz hält das für ein Hirngespinst, seiner Meinung nach wollen die Leute „Brot und was drauf“, aber keine Schnittmuster, doch Anna weiß, dass sich ihre Zeitgenossinnen nach Sinnlichkeit und Eleganz sehnen.

„Aenne Burda“: Tempo und Biss fehlen

Katharina Wackernagel ist eine treffende Besetzung für die Verlegerin, vermittelt aber zu oft das Gefühl, die Rolle nicht verinnerlicht, sondern wie ein Kostüm übergestreift zu haben. Viele Dialoge klingen deklamiert, die lautstarken Ehekräche wirken bühnenreif, und mitunter wirft sie sich bei den Auseinandersetzungen allzu sehr in Positur. Auch in dieser Hinsicht sind die Ensemble-Szenen, wenn Anna ihre überwiegend weiblichen Angestellten von ihrer Vision überzeugt, ungleich glaubwürdiger.

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