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Günthersburghöfe in Frankfurt Michael Paris wirft Stadt „Wildwest-Methoden“ vor

Das geplante Wohngebiet „Günthersburghöfe“ sorgt für Streit. Für Ärger sorgt besonders eine Grube vor dem Abenteuerspielplatz - wegen der soll es fast zu einer Schlägerei gekommen sein.

Baustelle Frankfurt
Bauarbeiten in Frankfurt. (Symbolbild) Foto: Michael Schick

Im Streit um das geplante Wohngebiet „Günthersburghöfe“ zwischen Friedberger Landstraße und Günthersburgpark eskaliert die Situation. Michael Paris, der Vorsitzende des Vereins „Abenteuerspielplatz Riederwald e.V.“, kritisiert im Gespräch mit der FR scharf das Vorgehen der Stadt bei vorbereitenden Bohrarbeiten vor Ort. Ohne den Verein vorher zu informieren, habe eine Baufirma im Auftrag der Stadt direkt vor dem Eingang des Abenteuerspielplatzes Wetteraustraße 41 eine vier Meter tiefe Grube gegraben. 

Als ein besorgter Mitarbeiter des Spielplatzes protestiert und die Bauarbeiter auf die Gefährdung der Kinder hingewiesen habe, stand die Situation nach den Worten von Paris „kurz vor der Prügelei“. Dann aber habe die Baufirma eingelenkt und nach kurzer Zeit „die Grube wieder zugeschüttet“. Paris sprach gegenüber der FR von „wildwestmäßigen Methoden“ der Stadt. 

„Das ist ein bisschen hochgekocht“, sagt Mark Gellert, Sprecher von Mike Josef (SPD). Kinder seien aber zu keiner Zeit gefährdet gewesen. Die Zufahrt sei nicht beeinträchtigt gewesen. 

Am 7. Januar hatten private Firmen im Auftrag der Kommune östlich der Friedberger Landstraße mit Bohrarbeiten zur Untersuchung der Bodenbeschaffenheit des geplanten Wohngebietes begonnen. Dabei kommt es nach Angaben von Planungsdezernent Mike Josef (SPD) immer wieder zum Aufeinandertreffen von protestierenden Anwohnern und Bauarbeitern. 

„Leute tauchen auf und versuchen die Untersuchungsarbeiten zu verhindern“, sagt Josefs Sprecher Gellert. Der Planungsdezernent hatte schon im Römer-Planungsausschuss am Montagabend berichtet, dass protestierende Anwohner die Arbeiter systematisch fotografierten. Bilder seien auf Facebook aufgetaucht. Josef verurteilte das Vorgehen der Anlieger. 

Nach Gellerts Worten prüft die von der Stadt beauftragte Firma nun juristische Schritte. Peter Beckmann, der Vorsitzende der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“, bestritt im Gespräch mit der FR rundheraus, dass seine Gruppe Bauarbeiter im Internet an den Pranger stelle. „Wir veröffentlichen keine Gesichter, das machen wir natürlich nicht.“ Die von der Stadt eingesetzten „Bohrpanzer“ aber hätten das Grün regelrecht verwüstet. 

Auf dem 16 Hektar großen Areal sollen nach Angaben des Planungsdezernats rund 1500 Wohnungen entstehen. Rechtsgrundlage für das Vorgehen der Stadt sei der Aufstellungsbeschluss für den städtischen Bebauungsplan, sagte Gellert. 

Die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ nannte die Arbeiten dagegen „illegal“, weil der Bebauungsplan nicht rechtskräftig sei. „250 Kleingärten und bis zu 3000 Bäume sollen weg“, sagte der „Grüne Lunge“-Vorsitzende Beckmann. Das stehe im strikten Widerspruch zu der immer schlechteren klimatischen Situation Frankfurts, das im Jahre 2018 die heißeste Stadt Deutschlands gewesen war. Gellert sprach dagegen von maximal 70 betroffenen „Freizeitgärten“. Viele von ihnen seien sehr groß, viele auch ungenutzt. Auch die Zahl der Bäume liege niedriger. 

Beckmann begrüßte es, dass der Forscher Mojib Latif vor wenigen Tagen beim Neujahrsempfang der Stadt auf das bedrohte Klima in Frankfurt hingewiesen habe. „Der Magistrat muss aber endlich handeln, statt immer nur Sonntagsreden zu halten.“ 

Das Planungsdezernat will sich durch den Protest vor Ort nicht irritieren lassen. Sprecher Gellert kündigte an, dass Ende 2019 der Bebauungsplanentwurf offengelegt werde. Parallel wolle die Kommune die Träger öffentlicher Belange, also Behörden, Vereine, Verbände anhören. 

Die Grünbilanz bleibe insgesamt positiv, Es entstehe ein neuer durchgehender Grünzug zwischen Friedberger Landstraße und Günthersburgpark. Die Bürgerinitiative schlägt vor, statt des Grüns heute versiegelte Flächen östlich der Friedberger Landstraße mit Wohnungen zu bebauen. 

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