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Weihnachtsmarkt in Frankfurt Besucher wünschen sich Markt auch in der neuen Altstadt

Die neue Frankfurter Altstadt grenzt nur an den Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg. Mancher Besucher würde es begrüßen, wenn sich die Buden auch dorthin längstzögen.

Weihnachtsmarkt in Frankfurt
Vanessa Keth in ihrer Original Frankfurter Bethmännchen-Hütte. Foto: peter-juelich.com

So etwas wie Weihnachtsgefühle in der Frankfurter Altstadt zu empfinden, ist eher schwierig. Ein junger Mann spielt Gitarre, aber nein, nicht etwa „Last Christmas“ von Wham!, sondern „Here comes the sun“ von den Beatles. Wenige Meter weiter singen Männer russische Volkslieder. Ein Bettler sitzt mit seinem Husky unweit davon.

Würde nicht eine Frauengruppe mit leuchtenden Weihnachtsbaum-Hüten durchlaufen und ein paar andere mit der Glühweintassen in der Hand bummeln, würde man kaum merken, dass überhaupt so etwas wie Weihnachten ansteht. Und das nur wenige Meter vom Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg entfernt. „Das ist schon schade, ich fände es schöner, wenn es ein paar Weihnachtsbuden in der Altstadt geben würde“, sagt Victoria (19).

Die Frankfurterin zeigt ihrer Cousine Zoë (18) aus Bremen die Altstadt. „Die Altstadt ist zwar sehr schön, aber irgendwie ist alles zu glatt, die Stimmung unterkühlt“, sagt Zoë. Ihre Cousine stimmt ihr zu: „Wäre der Weihnachtsmarkt auch hier, würde das die Altstadt vielleicht zum Leben erwecken.“ Weil es zu eng in der Altstadt für Buden ist, ist diese nicht Teil des Weihnachtsmarkts. Sabine Dölsen, die Freundinnen aus Nordrhein-Westfalen die neue Altstadt zeigt, findet diese Trennung gut. „Der Weihnachtsmarkt hier wäre einfach nicht passend. Ich fürchte das würde dann hier wirklich wie Disney World aussehen.“ Und sie sagt: „Wir laufen jetzt, wo es noch hell ist, durch die Altstadt, da sieht man die schöne Architektur besser als im Dunkeln. Anschließend genießen wir unseren Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.“

Genau in dieser Reihenfolge machen das die meisten. So auch Helga Schäfer, die ein Teil des Landfrauenvereins Herleshausen-Breitzbach ist: „Die Altstadt soll eine Sehenswürdigkeit bleiben.“ Edith Möhle-Oswald, die mit ihren Kollegen da ist, sagt: „Ich fände edlere Stände, also beispielsweise mit Kunsthandwerk, und hübsche Glühwein-Buden toll hier.“

Einige Händler in der neuen Altstadt sind enttäuscht

Nur an der Grenze zur Altstadt, also unweit des Schirn-Cafés, gibt es zumindest zwei Glühwein-Stände. Hinter dem Café Kunstverein steht eine Bethmännchen-Hütte der Familie Keth aus Usingen. Der Andrang ist groß. „Wir verkaufen an dieser Stelle schon seit über 30 Jahren. Und die letzten vier Jahre standen wir in der Sackgasse. Aber jetzt, wo endlich die Bauzäune gefallen sind, ist wieder viel los bei uns. Die Altstadt und der Weihnachtsmarkt zieht jede Menge Touristen an“, erzählt Vanessa Keth.

Und wie beeinflusst der Weihnachtsmarkt die Geschäfte in den Altstadt-Läden? „Gut, viele unsere Kunden kommen gezielt zu uns, aber durch den Weihnachtsmarkt gibt es auch ein Publikum, das uns neu entdeckt und Weihnachtsgeschenke findet“, erzählt Verkäuferin Kirsten Obst vom Kaufhaus im Ort. Klar gäbe es auch Schattenseiten – wie mehr Müll auf der Straße. „Aber im Vergleich, wie ich mir die ursprüngliche Altstadt vorstelle, also mit Pferdenkutschen, laut, dreckig, ist es hier doch sehr ordentlich“, sagt Obst und lacht. Dennis Alt von der Barbierstube sagt: „Ich finde, dass die Stimmung durch den Weihnachtsmarkt hier schöner ist. Es kommen auch mehr Leute in meinen Laden. Die meisten kaufen Gutscheine zum Verschenken.“

Etwas versteckt ist der Dessousladen Marie Antoinette. Man findet ihn, wenn man vor der Goldenen Waage steht, sich umdreht und die Treppe nach unten nimmt. Seit August ist der Laden geöffnet. Besitzerin Bettina Paul sagt: „Ich hatte mir generell von der Lage in der Altstadt mehr erhofft. Und ich dachte, dass jetzt der Weihnachtsmarkt dazu führt, dass Leute hier kleben bleiben. Aber das ist leider nicht der Fall.“ Sie findet, überhaupt sei der Mix an Läden nicht besonders gelungen. Die Altstadt lade nicht zum Bummeln ein. „Ich fände es schön, wenn man auch die Altstadt weihnachtlich dekorieren würde. Das würde mehr Leben reinbringen.“ Und damit meine sie nicht den Leierkasten-Mann, dessen Melodien 50 Mal am Tag zu hören, weniger schön sei.

Auch Cornelia Plotzki vom Frankfurter Hutsalon hatte sich mehr vom Weihnachtsmarkt erhofft. „Aber die Leute scheinen mehr an Glühwein als an schönen Sachen interessiert zu sein.“ Wie Paul fände sie es gut, wenn die Altstadt zumindest optisch in den Weihnachtsmarkt integriert werden würde. „Vielleicht sollten wir Gewerbemacher uns zusammensetzen und mit der Stadt reden.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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