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Wohnen in Frankfurt In einem ehemaligen Bunker wohnen

Ein Investor möchte einen Luftschutzbunker im Frankfurter Stadtteil Praunheim umbauen. Das denkmalgeschützte Gebäude soll aber in seiner Form als eine Art Mahnmal erhalten werden.

Praunheimer Bunker
Auch der Nazi-Adler an der Fassade soll erhalten bleiben. Foto: peter-juelich.com

Es gibt vermutlich nicht viele geplante Wohngebäude in Frankfurt, an denen ein Nazi-Reichsadler die Fassade ziert. Der Luftschutzbunker in der Eberstadtstraße soll umgebaut werden. In dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Zweiten Weltkrieg sollen Eigentumswohnungen entstehen. Architekt Jo Franzke stellte die Pläne in der Sitzung des Ortsbeirats 7 am Dienstag vor. Ein Investor aus Darmstadt hatte den Bunker bei einem Bieterverfahren durch das Land Hessen gekauft.

Geplant sind 20 bis 22 Wohnungen mit einer Größe von 37 bis 160 Quadratmetern, sagte Franzke. Im Dachgeschoss sind zwei Lofts vorgesehen. Im Erdgeschoss und im ersten Stock soll es Anbauten mit großen Fenstern geben. Zu den Quadratmeterpreisen machte der Architekt keine Angaben. Gewartet werde noch auf ein vom Denkmalschutzamt beauftragtes Gutachten eines Restaurators. In drei bis vor Wochen möchte Franzke den Bauantrag einreichen. Im Herbst soll das Projekt ausgeschrieben werden. Franzke rechnet damit, dass der Umbau 2020 abgeschlossen werden kann. 

Das Gebäude soll in seiner jetzigen Struktur mit seinen zwei Meter dicken Betonmauern erhalten bleiben. Wenige der Luftschutzbunker in der Stadt befänden sich in einem so guten Zustand, sagt Stefan Timpe, stellvertretender Leiter des Denkmalamtes, auf Anfrage. „Ziel des Umbaus ist es, den Bunker außen und innen authentisch zu erhalten.“ Das gelte für Schleusentüren, Belüftungsöffnungen und Wandbeschriftungen. 

Die Inschriften in den Fluren, mit Schablone und Sprühfarbe angebracht. seien ebenso gut erhalten wie der in rotem Sandstein angebrachte Nazi-Reichsadler an der Fassade. Das Hakenkreuz in den Klauen des Adlers ist nicht mehr zu sehen, „auch der Eichenkranz ist als glatte Fläche ausgebildet“, so Timpe. Es handle sich dabei um den einzigen Bunker im Stadtgebiet, an dem die Nationalsozialisten das Symbol angebracht haben. „Weshalb ist unbekannt, und diese singuläre Gestaltung macht den Bunker zu etwas Besonderem.“ 

Dem Amt für Denkmalschutz gehe es besonders um eine Auseinandersetzung mit der Geschichte. „Wir sollten nicht kaschieren, was das für ein Gebäude ist. Die ganze Brutalität der NS-Zeit lässt sich erst vermitteln, wenn wir es aussehen lassen, wie es war, wie es gewirkt hat.“ Timpe kann sich auch eine didaktische Aufarbeitung gut vorstellen. Etwa eine Erläuterungstafel vor dem Gebäude oder öffentliche Führungen. 

In einem möglichen zweiten Bauabschnitt wolle der Investor nach Angaben des Architekten die Ladenzeile neben dem Bunker aufkaufen und abreißen. Sie soll neu errichtet werden, im Obergeschoss soll sozial geförderter Wohnraum entstehen, unter dem Gebäude eine Tiefgarage. Bislang sei es aber noch zu keiner Einigung mit den Pächtern der Geschäftsräume gekommen. 

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